IARU02
Norwegen 2015

Fahrt von Rotterdam nach Norwegen und Schweden

Ab 23. Januar 2015 bin ich mit m/v Andrea / ZDIS8 von Rotterdam aus, nach Norwegen und Schweden als Funker unterwegs. Die angelaufenen Häfen wiederholen sich in der Regel wöchentlich. Je nach Ladung wird auch der Hafen Tees/Middlesbrough in England gelegentlich angelaufen.
Unsere bevorstehenden Anlaufhäfen sind Oslo, Moss, Brevik, Göteborg und Rotterdam.
Nach einer etwa 9-stündigen Fahrt mit der DB und der NS, der Niederländischen Staatsbahn erreiche ich am Freitag, den 23.01.2015 nachmittags gegen 13 Uhr den Hauptbahnhof Rotterdam-Centraal.
Für die einzelnen Züge habe ich diesmal Platzkarten gekauft, was die Anreise sehr erleichterte. Die Züge sind zum Teil brechend voll.
Die Bahn-Fahrt verläuft über Leipzig, Hannover, Bad Bentheim, Hangelo, Amelo, Deventer, Apeldoorn, Ammersfort, Gouda, Utrecht bis Rotterdam Centraal.
Ein Taxi bringt mich vom Bahnhof “Rotterdam Centraal” zum Hotel.


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Ausblick aus meinem Hotelzimmer im Rotterdam-Maritime im 5. Oberschoß.  Click picture to enlarge.


Für eine Nacht gönne ich mir im Rotterdam-Maritime-Hotel, ein Zimmer mit herrlichem Ausblick auf die Maas und die Erasmusbrücke.
Am späten Nachmittag fahre ich mit der Straßenbahn noch zum Immigration Office.


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Ausblick aus meinem Hotelzimmer im Rotterdam-Maritime bei Nacht, wunderschön. Click picture to enlarge.


In Rotterdam gibt eine verbindliche Dienstvorschrift, wonach sich alle nicht niederländischen, nicht belgischen und nicht luxemburgischen Personen vor der Einschiffung in Rotterdam, im Immigration Office, Sint Jobsweg 6 anmelden müssen. Eine sehr angenehme Amtshandlung, die nur 10 min dauert.
Das 1 Stunde gültige Straßenbahnticket kostet 3 € und kann beim Straßenbahnschaffner, der gutes Englisch spricht, bar erworben werden. Ich nutze meine Trambahntickets, um mir einen kleinen Überblick über die Stadt zu verschaffen.
Im Hotel habe ich WiFi und kann so die aktuelle Position von m/v „Andrea“ über AIS zeitnah verfolgen.
MV Andrea macht am Sonnabend, den 24.01.2015 gegen 06 Uhr morgens im ECT,
(City Terminal EEMHAVEN Prins Willam Alexanderhaven, berth 2794) fest.


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Das Containerschiff m/v Andrea. Motiv für meine neue QSL Karte. 


Eile ist also nicht geboten, denn m/v Andrea liegt nach telefonischer Rücksprache mit Kapitän Hansen noch mindestens 12 Stunden an diesem Liegeplatz.
Ein Taxi bringt mich in den frühen Nachmittagsstunden vom Hotel zum Beatrixhaven. Das Taxi darf nach Anmeldung im Gate-House bis zur Gangway fahren. Im Gate-House (Hafentor) wird lediglich kontrolliert, ob ich auf der Crew-Liste vermerkt bin. 
Ein AB (Ausgebildeter Seemann, ABLE Seaman)
der Decksbesatzung von m/v Andrea bringt freundlicherweise mein nicht ganz leichtes Gepäck in meine Kammer auf dem C- Deck, Steuerbord.
Das Schiff hat erst vor zwei Stunden an diesem Liegeplatz festgemacht.
Der Kapitän hat sich schlafen gelegt, vom Chief Mate und vom 2. ist niemand zu finden. Ich trage mich erst mal in das Bordbuch ein, beziehe meine Kammer und packe meinen Seesack aus. Nach vier Stunden treffe ich Kapitän Harry Hansen. Er ist dänischer Staatsbürger und stammt von den Faroer Inseln. Wir sind etwa gleichaltrig und kommen prima miteinander aus.
Kurze Einweisung auf der Brücke, wie üblich und Abarbeiten der Zollformalitäten. Alle nötigen Papiere habe ich wie immer gut vorbereitet und die Formalitäten sind schnell abgearbeitet. Dann beginnt der normale Arbeitsalltag.
Binnen zwei Stunden habe ich auch die Antennen installiert und abgestimmt und auch meine Funkstelle ist einsatzbereit. Erste QSO’s führe ich noch aus dem Hafen von Rotterdam.


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Meine Kammer auf dem C-Deck, Steuerbord. Meine private Amateurfunkstelle ist platzsparend und bescheiden. Click picture to enlarge.


Meine Kammer besteht aus Wohn- und Schlafraum sowie Naßzelle mit Dusche, WC und Waschbecken, insgesamt etwa 18 qm groß, sehr sauber und gepflegt. Auf ANDREA gibt es den von mir so geschätzten Teppichboden leider nur in der Kammer des Kapitäns, in meiner Kammer wurde nur eine Art Linoleum verarbeitet.
Ich habe im Wohnraum zwei Fenster mit Sicht auf das Vorschiff sowie nach Steuerbord. Das Bullauge nach Steuerbord läßt sich öffnen und erlaubt das Herausführen des Antennenkabels.
Im Schlafraum habe ich ein festverglastes Fenster mit Blick zum Vorschiff. Die Backbordkammer darf ich bei Bedarf auch nutzen, was aber nicht erforderlich ist.
Auf dieser Fahrt sind wir zu 13:  Kapitän, 1. und 2. nautischer Offizier, Chief, 2. Ingenieur, Chefkoch, Bootsmann, Funker, sowie Decks- und Maschinenbesatzung.
Der Kapitän kommt aus Dänemark, der Chief mate = 1. nautischer Offizier, der 2. nautische Offizier sowie der Chief kommen Russland, der 2. Ingenieur kommt aus der Ukraine. Chefkoch, Bootsmann und die Decksbesatzung kommen von den Philippinen.


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Der Maschinenkontrollraum. Im Bild von links nach rechts Kapitän, Chief Engineer. und 2nd Engineer.


Mit unserem Chefkoch hat die Reederei einen guten Griff getan. Seine Kochkunst ist hervorragend. Die Portionen sind den Wünschen angemessen, optisch und geschmacklich ein Traum.
Das Schiff wird von Myklebusthaug Management, 5953 Fonnes, Norway, bereedert. Wir segeln unter der Flagge von Gibraltar mit Heimathafen Gibraltar.
In Richtung Norwegen haben wir zunächst nur 390 TEU’s geladen. Das Schiff ist nur leicht abgeladen und haben einen Tiefgang von weniger als 5 m.
Von Brevik nach Rotterdam laden wir etwa 7.000 t feinen norwegischen Granit. Er wird in Rotterdam nach China zur Weiterverarbeitung und Veredlung umgeschlagen.


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Unsere Hauptmaschine: 1 Dieselmotor “Caterpillar-MaK” 9 Zylinder ( 9M43 ) Leistung: 8.400 KW. Ein Propeller,
Geschwindigkeit: 18,5 Knoten = ca. 32 km/h. Click picture to enlarge.



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Die Kläranlage für alle Abwässer an Bord - sehr wichtig. Click picture to enlarge.



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Hauptmast, Radarmasten und Mast für die Inmarsat-Antenne. Click picture to enlarge.



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Aufbauten von m/v Andrea. Click picture to enlarge.



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Die Funkstelle des Schiffes gemäß GMDSS-System auf der Brücke. Für mich nichts wirklich Neues. Die PA ist auch hier in
einem gesonderten Raum untergebracht. Die Batterien befinden sich auf dem höchsten Deck des Schiffes,
dem Peildeck. Click picture to enlarge.



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Eines unserer GPS Navigationsgeräte im Kartenraum.



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Der Waschsalon für die Arbeitsbekleidung und persönlichen Sachen.



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Die Offiziersmesse. Click picture to enlarge.



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Die Konservenlast auf dem Hauptdeck.



NORW-15-C-08.lüttInnere Treppenniedergänge.


M/V Andrea/ZDIS8, wurde im Jahr 2005 auf der Schiffswerft J.J. Sietas im Hamburg-Neuenfelde gebaut.
Ein Feederschiff der 168er Baureihe E3. Auf diesen Schiffen kenne ich mittlerweile jeden Winkel.
M/V Andrea ist 134 m lang, 22 m breit und hat einen Tiefgang von bis zu 9 m. Gross Tonns 9.981 GT =
(Bruttoregistertonnen)


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Brücke mit Chief Mate auf Wache 12 - 18 Uhr.


Eigentlich sollte m/v Andrea am 24.01.2015 noch zum Waalhaven/UNIPORT verholen, dieser wird jedoch gestrichen und durch den EURO-MAX in Rotterdam-Maasvlakte ersetzt. Gegen Mitternacht verlassen wir mit Lotsenhilfe Rotterdam.
Ich nutze meine Freizeit für Amateurfunk und bringe über 40 QSO’s ins Logbuch.
Mein guter, fast 50 Jahre alter Ruhla-Reisewecker klingelt täglich um 05:50 Uhr Schiffszeit = MEZ.
Um 7 Uhr ist gemeinsames Frühstück in der Messe. Den gesamten Sonntag und Montagvormittag sind wir auf See.
Zunächst in der Deutschen Bucht, nachts in der Nordsee, die Westküste Jütlands passierend, und am Montagvormittag im Skagerrak.

In Häfen und in Küstennähe bis etwa 30 sm stehen uns auf dem Schiff verschiedene Mobilfunknetze zur Verfügung und haben über LTE-4G mittlerweile standortabhängig auch schnelles Internet bis 50 MBit/s. Damit ist wohl der gesamte E-Mail-Verkehr abgedeckt sowie Skype, sprich hochauflösendes Internet- Fernsehen zu meinem Arbeitsplatz auf dem Schiff sichergestellt.
Für unsere Besatzung stelle ich kostenloses Internet mit > 16 MBit/s über fünf WiFi-Transponder in den Aufbauten mit ausreichenden Feldstärken zur Verfügung. 

Der Oslo-Fjord ist landschaftlich auch in den Wintermonaten atemberaubend schön.
Die Temperatur auf See ist mit + 8°C angenehm und der Wind bläst selten mit Geschwindigkeiten über 18 Knoten. Heute am Montag, den 26.01.2015 gegen 12:20 Uhr ist Pilote Time für Oslo.
Der Lotse für die Hafeneinfahrt Oslo (Sjursøykay Nordre Østre Søndre) kommt an Bord.


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Lotse auf Leiter. Click picture to enlarge.


Die Liegezeit in Oslo beträgt nur 4 Stunden. Das Wetter ist neblig und für einen kurzen Landgang ohnehin völlig ungeeignet.
An späten Nachmittag laufen wir bereits wieder aus Oslo aus. Der Nebel hat sich gelegt und das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Eine wunderschöne Fahrt gegen die untergehende Sonne. Die unzähligen Ferienhäuser entlang des Fjordes sind wunderschön und beflügeln die Phantasie.


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Bebauungen beidseitig des Fjordes bei Moss/Norwegen. Click picture to enlarge.


Nächster Hafen ist Moss. Wir erreichen Moss am frühen Morgen des 27.01.2015. Der Dienstagmorgen ist mit -5°C unangenehm kühl aber sonnig. Nach dem Frühstück habe ich bis spätestens 12:00 Uhr Zeit zu einem Landgang. Kapitän Hansen übergibt mir noch die PIN für das Hafentor, die ich gar nicht brauche, das Main-Gate steht sperrangelweit für jedermann offen. Wir sind in Norwegen.
Norwegen ist weit lockerer als Deutschland und uns dennoch in vielen Bereichen weit voraus. In vier Stunden habe ich die Sehenswürdigkeiten von Moss weitestgehend abgelaufen und kehre zum Schiff zurück.

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Wir haben im Hafen von Moss festgemacht.  Click picture to enlarge.



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Der Hafen von Moss in Norwegen. Click picture to enlarge.  



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Eindrücke aus der Stadt Moss in Norwegen. Click picture to enlarge.



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Eindrücke aus der Stadt Moss in Norwegen. Click picture to enlarge.



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Eindrücke aus dem Hafen der Stadt Moss in Norwegen. Click picture to enlarge.


Von der Schiffsbrücke kann ich am Nachmittag die Stadt gut einsehen und für den nächsten Anlauf auf Moss mögliche „Wander-Ziele“ vorerkunden. Pilot-Time ist 12:30 Uhr Schiffszeit. Wir laufen pünktlich aus. Auch auf dieser Fahrt war es wieder eine angenehme Abwechslung, von Bord des Frachtschiffes auf See nach Land Amateurfunk durchführen zu können.
Meine Freizeit nutze ich auch an diesem Nachmittag für Amateurfunk. Das 20 m Band öffnet sich nach Süden und bringt mehr als 60 QSO’s von Nordafrika, Portugal, Spanien bis Moldawien, Rumänien und der Ukraine ins Log.
Der nächste Hafen ist Brevig, den wir am Dienstag, den 27.01.2015 erst spät abends erreichen und nachts gegen 02:00 Uhr des 28.01.2015 schon wieder verlassen.
Am Mittwoch, den 28.01.2015 erreichen wir vormittags Göteborg in Schweden. Es regnet in Strömen, es ist bitter kalt und ein kräftiger Wind von 5 bis 6 aus West vergällt mir den Landgang in die Innenstadt. Ich habe Freizeit und bringe wieder zahlreiche QSO’s ins Log. Diesmal ist das 20 m Band in Richtung Osten offen. Gegen 03:00 Uhr morgens verlassen wir Göteborg.
Der Skagerrak zeigt sich unfreundlich mit auffrischenden Winden 6 bis 7 aus Nord-West und läßt unser Schiff rollen. Wir haben Krängungen bis über 40°.


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Von Göteborg nach Rotterdam haben wir in einer Nacht recht heftige Rollbewegungen.


Der Krängungsmesser = Klinometer gibt Auskunft über die Gradzahlen um die sich das Schiff während der letzten Fahrt quer geneigt hat.
40° Krängung sind bei schwerer See durchaus nichts Ungewöhnliches. Das müssen Schiff und Besatzung abkönnen. Das war auch für mich nachts in der Koje schon heftig.

Die Gleichmäßigkeit der Rollbewegung von etwa +/- 40° in jeweils 12 Sekunden ermöglicht dann doch halbwegs geruhsamen Schlaf. Ich habe damit glücklicherweise keinerlei Probleme. Man krallt sich einfach in der Koje fest. Das Duschen am Morgen wird unter diesen Rollbewegungen dann schon sportlich.

In der Nordsee und in der Deutschen Bucht wird das Wetter deutlich angenehmer. Der Schiffsverkehr in der Deutschen Bucht ist erheblich. Wir passieren zahlreiche Bohrinseln für Erdöl und Erdgas.


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Bohrinseln für Erdöl und Erdgas in der Nordsee. Click picture to enlarge.


In den Mittagsstunden des 30.01.2015 erreichen wir Rotterdam-Maasvlakte und machen zunächst im ETC fest. Der Hafenbetrieb ist weitgehend automatisiert, dieselbetriebene Containerlafetten bewegen sich wie von Geisterhand gesteuert durch den Hafen. Das Betreten der Pier ist nur mit Warnweste und Schutzhelm erlaubt. Eine kleine Erkundungstour muß sein, ist aber nur in Ausnahmen erlaubt. Das Hafengelände ist gigantisch groß, nach zwei Stunden kehre ich zum Schiff zurück. Die Entladearbeiten ziehen sich bis in die späte Nacht. Ab etwa 3 Uhr morgens verholen wir in den Eemhaven, ECT-City.


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Kapitän und Hafenlotse in Rotterdam-Maasvlakte. Click picture to enlarge.


Ich genieße die Nacht in meiner Koje und darf bis 7 Uhr ausschlafen. Der Eemhaven, ECT-City, ist für mich bekanntes Terrain. Wir entladen mehr Container als wir übernehmen. Eine Zeile Leercontainer wird direkt vor den Aufbauten verlascht. Sonst gähnende Leere auf dem Hauptdeck. Wir hoffen auf mehr Zuladung im RTM-Waalhaven. Ausgedehnte Industrieanlagen, Raffenerien und Logistikzentren säumen die Maas auf eine Länge von etwa 20 km.

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Hafen- und Industrieanlagen entlang der Maas in Rotterdam. Click picture to enlarge.



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Hafen- und Industrieanlagen entlang der Maas in Rotterdam. Click picture to enlarge.



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Hafen- und Industrieanlagen entlang der Maas in Rotterdam. Click picture to enlarge.



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Hafen- und Industrieanlagen entlang der Maas in Rotterdam. Click picture to enlarge.


Um Ausbreitungsbedingungen im 20 m Band für die Funkamateure in Altenburg anzuzeigen, habe ich vor unserer täglichen Runde um 12:00 Uhr eine Funk-Bake auf 14.112,50 MHz mit DH6ARM/mm/b im 12 s Takt geschaltet.
Wenn diese Bake in Altenburg zu hören ist, sind Telefonieverbindungen auf 20 m in der Regel kein Problem. Pünktlich um 12:00 Uhr treffe ich mich fast täglich mit zahlreichen Funkfreunden aus Altenburg und Umgebung.
Wenn das 20 m Band offen ist, sind Verbindungen mit 59+10 der Regelfall.


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Antenne für Amateurfunk. Die original australische Outbacker Perth für 80 m bis 2 m.



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Antenne für Amateurfunk. Die original australische Outbacker Perth für 80 m bis 2 m.
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Befestigung des Antennenauslegers an der Reeling, alles was nicht aus Edelstahl ist, korrodiert schon nach wenigen Tagen.
Ich habe die Schraubverbindungen mit reichlich technischer Vaseline gängig gehalten.


Gegen 23 Uhr Schiffszeit verholen wir zum Waalhaven und legen am Sonntag, den 01.02.2015 gegen 02:00 Uhr nach nur 3 Stunden Liegezeit mit Low Cargo ab.
Zielhafen ist Oslo, den wir am Montag, den 02.02.2015 in den späten Nachmittagsstunden erreichen. In der Deutschen Bucht haben wir jetzt Wind 6 bis 7 aus Nordwest. Das wenig abgeladene Schiff rollt mächtig. Unsere Liegezeit in Oslo beträgt voraussichtlich 8 Stunden.
Obwohl es bereits nach 17 Uhr ist, entscheide ich mich für einen Landgang zu nächtlichen Stunden. Das Terminal in Oslo Sjursøykay ist übersichtlich, mit entsprechender orangefarbener Tarnweste darf man das Main-Gate (Hafentor) zu Fuß erlaufen. Die Kollegen der Security rufen mir freundlicherweise ein Taxi, welches den Weg zum Hafentor erst nach intensiver telefonischer Einweisung findet.
Ich fahre bis zum Rathausplatz, dem Zentrum der Stadt. Trotz nächtlicher Stunde und Temperaturen von -2°C ist die halbe Stadt auf den Beinen. Einkaufszentren, Restaurants, kleine beschauliche Läden und Kneipen wechseln sich ab. Die Hauptstadt Norwegens zeigt sich von ihrer besten Seite.
Nach etwa 10 km Fußmarsch hatte ich das Zentrum im Wesentlichen erkundet und die gehobene norwegische Küche probiert. Gegen 23 Uhr brachte mich ein Taxi zurück zum Hafen. Meine Shore Card brauche ich nicht. Die Türen im Gebäude der Hafen-Security stehen offen und von Personal ist niemand zu sehen. Unser Kadett Antonio nahm seine Aufgabe als Deckswache auf m/v Andrea jedoch sehr genau. Gegen Mitternacht laufen wir aus Oslo aus und erreichen in den Vormittagsstunden des 03.02.2015 den Hafen von Moss. Bis etwa 14 Uhr sollen wir in Moss liegen, ein Landgang bietet sich an, zumal einige geschriebene Postkarten noch den Briefkasten finden müssen. Den wohl einzigen Briefkasten in Moss zu finden ist nicht einfach und gelingt mir erst unter intensiver Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung, die fast ohne Ausnahme gutes Englisch spricht. Gegen 13 Uhr bin ich zurück auf dem Schiff.
Das Auslaufen verzögert sich bis nach 16 Uhr. Gegen 16:15 ist Pilot Time. Nächster Hafen ist Brevik, ebenfalls im Oslofjord gelegen.
Wir erreichen Brevik gegen 21 Uhr. Der Hafen von Brevik wird durch ein Zementwerk geprägt, riesige Halden mit Kohle und Kalkstein säumen die Hafenflächen. Die Liegezeit von m/v Andrea ist in Brevik in der Regel nachts für weniger als 5 Stunden. Ein Landgang ist hier im Winter wohl nicht empfehlenswert.
Ich nutze die freie Zeit für Amateurfunk, über 40 Verbindungen bekomme ich in das Logbuch. In den Morgenstunden des 04.02.2015 laufen wir mit Zielhafen Göteborg aus. Die Temperaturen liegen jetzt wieder im einstelligen Plusbereich und der Wind frischt nur selten 3 bis 4 auf.
Die Überfahrt ist angenehm. Wir erreichen Göteborg am Mittwoch, den 04.02.2015 gegen Mittag.
Das Wetter ist sonnig. Ich entschließe mich für einen Landgang, obwohl das Stadtzentrum von unserem Liegeplatz weit ab liegt.
Um zum Main-Gate (Hafentor) zu gelangen, muß man einen Shuttle-Bus anfordern. Das funktioniert ohne Probleme, in der Regel werden mehrere Leute von verschiedenen Schiffen abgeholt und als Sammeltransport zum Gate gebracht. Wir sind zu fünft, im Main-Gate ruft man uns freundlicherweise ein Großraumtaxi zum Stadtzentrum. Die Taxikosten übernimmt eine Seemann aus Dänemark, dessen gesamte Heimreise auf Urlaub inclusive Taxi seine die Reederei trägt.


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Göteborg in Schweden. Nordstan, das sich anschließende Stadtcentrum hinter dem Bahnhof. Hier gelangt man von einer
Einkaufs-Mall in die andere. Das Preisniveau ist an Deutschland gemessen recht hoch.


Wir fahren mit unserem Großraumtaxi alle bis Nordstan, dem Bahnhof im Norden Göteborgs.
Nachdem ich den Bahnhof mit seinen zahlreichen Malls, Restaurants und Lädchen durchquert habe, schließt sich das Stadtzentrum direkt an. Ich erlaufe in altbewährter weise Straßenzug um Straßenzug und kann mir so einen ersten Eindruck der großen und schönen Stadt machen. Das sind wohl wieder mehr als 20 km und das mit meinen kaputten Schuhen. Unser 2nd Eng. verschweißt mir meine undichte Schuhsohle nach Rückkehr. Der Workshop im Maschinenraum ist auch für solche Arbeiten gerüstet. 


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Göteborg in Schweden. Click picture to enlarge.



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Göteborg in Schweden. Click picture to enlarge.


Ein Toyota-Hybrid-Taxi bringt mich gegen 21 Uhr für 600 SEK (incl. Trinkgeld) zurück zum Hafentor. Nach Abgleich der PIN für den Landgang darf ich das Tor passieren und nach wenigen Minuten bringt mich ein Shuttle-Bus zurück zum Schiff.
Am 04.02.2015 gegen 23:30 ist Pilot-Time und wir laufen in den Kattegat mit Ziel Rotterdam Maasvlakte ECT aus. Fast zwei Seetage liegen vor uns. Die Windböen erreichen selten 3 bis 4 und die Temperaturen liegen im Plusbereich. Eine Überfahrt, die auch den Decksleuten etwas Ruhe beschert.
In den Morgenstunden des 06.02.2015 müssen wir in der Deutschen Bucht zunächst mal auf Reede. Unser Liegeplatz Nr. 8160 im Amazonehaven EUROPORT ECT ist noch belegt. Wir teilen die Liegezeit auf Reede mit mehr als 23 weiteren Schiffen. Gegen 11:30 kommt der Lotse an Bord und die Einfahrt in den EUROPORT ECT kommt voran. Vor uns liegen die Häfen EURO-MAX, ECT-City und Uniport, wo ich von Bord gehen werde.
Ich werde noch ein paar QSO’s fahren und dann in Ruhe meine Funktechnik zurückbauen, Seesack packen. Im Uniport werden wir am Sonntag früh gegen 03 Uhr festmachen. Ich habe mir ein Taxi für 06 Uhr zum Gate bestellt, ein Shuttel, von der Ladebrücke aus bestellt, bringt mich zum Gate. Das klappt wie immer prima.
Ausreichend Zeit, meinen Zug um 08:05 ab Rotterdam Centraal zu erreichen. Auf den Bahnhöfen und Zügen in den Niederlanden gehört kostenloses WiFi zum Service. Nach Grenzübertritt nach DL ändert sich das leider abrupt. Wir haben jetzt ganz andere Baustellen zu finanzieren, steht in den Zeitungen.
Die Reise war wunderbar, es gab unwiederbringliche und tolle Eindrücke - der Heimathafen ist aber immer wieder der Schönste.
Alle Bahnverbindungen funktionieren minutengenau und und ich bin 17:33 in Lehndorf, wo mich meine Familie bereits erwartet.
Auch nach dieser Fahrt liegen wieder zahlreiche Briefe mit QSL-Karten in meinem Briefkasten, die ich alle direkt beantworte. Für die zum Teil beigefügten IRC’s, Briefmarken, Münzen und Greenstamps möchte ich mich auch dieses Mal bedanken.

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