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Im Mai 2007 hatte ich während einer mehrwöchigen Reise in die Republik Belarus Gelegenheit, dieses weitgehend unbekannte Land auch amateurfunkmäßig zu aktivieren. Es ist 2007 die vierte längere Reise in dieses facettenreiche Land. Es waren immer private Besuche, wohnen durften wir bei unseren Gastgebern. Auf diese Weise haben wir am täglichen Leben Weißrusslands teilnehmen können und viele Einblicke in den weißrussischen Alltag gewonnen. Es ist ein sehr interessantes Land mit guten Menschen. Weißrussland ist flächenmäßig etwa halb so groß wie Deutschland und hat aber nur etwa 10 Millionen Einwohner. Erwähnenswert ist, daß die Republik Belarus nicht zu den diplomatisch befreundeten Ländern der EU gehört. Die Wartezeit vor der Grenze kann bis zu 12 Stunden und mehr betragen. Bei unserer ersten Einreise 2001 mußten wir noch viele Stunden vor der Grenze zubringen. Heute kennen wir diese Grenze besser und vieles ist einfacher. Bei ausreichender Motivierung der Zollbeamten und gestalten sich die Abfertigungszeiten weit angenehmer.
Auch die Russische Föderation RF durften wir insgesamt sechs mal mehrwöchig bei privaten Gast- gebern in vielen Städten und Dörfern Sibiriens kennenlernen. Es ist eine völlig andere Kultur, die man einfach erleben muß. Es waren immer unvergeßliche und in der Regel wunderbare Erlebnisse. Bei einer Russlandreisende muß man auf allen gewohnten Luxus und Komfort verzichten können. Die sanitären Verhältnisse sind extrem und sehr gewöhnungsbedürftig. Unsere letzte Sibirienreise war im Juli 2011. Die Russische Föderation ist flächenmäßig etwa 48 mal so groß wie DL, hat aber kaum doppelt so viele Menschen als Deutschland. Außerhalb der Städte ist Russland extrem dünn besiedelt. Diese geographischen Dimensionen kann man auch nach mehrmaligen Reisen kaum begreifen. Wir sind mit der Trans-Sibirischen-Eisenbahn selbst im europäischen Teil Russlands durch Gebiete gefahren, wo es unzählige Kilometer außer der elektrifizierten Eisenbahnstrecke keinerlei Zivilisation gab. Die Natur und Landschaft Russlands ist vielen Regionen noch einzigartig und wunderschön. Russland ist in weiten Teilen seines Territoriums nur äußerst schwach entwickelt oder sogar völlig unerschlossen. Selbst die relativ erschlossenen Regionen in Zentralrussland als auch die großen Städte in Sibirien zeigten sich uns unvorstellbar primitiv und ineffizient. Eines der größten Probleme sind fehlende Wasserversorgungsnetze. Wo Wasser aus Wand kommt, ist es fast nie Trinkwasser. Aus großer Entfernung betrachtet, sieht Russland immer wunderschön aus, aber handnah wird der russische Schludrian gnadenlos sichtbar. Fehlende Arbeitskultur und Schlamperei führen in Russland immer wieder zu unvorstellbarer Mißwirtschaft und schlimmen Katastrophen. Innovationen oder gar HiTec aus Russland sucht man vergeblich. Neueste Technologien importiert Russland aus Westeuropa, den USA, Korea, Japan, China und anderen entwickelten Ländern. In Russland kann man heute, dank des enormen Exportüberschusses aus Rohstoffen, nahezu alle westlichen Erzeugnisse, wenn auch sehr teuer, kaufen. Erzeugnisse aus Russland sind bedeutend günstiger. Benzin Super 95 bleifrei kann man schon für 49 €Cent / Liter tanken. Elektrischer Strom wird bereits für umgerechnet 2,5 €Cent / kWh angeboten.
 Russische Föderation, Topographie Click picture to enlarge
Dank der hohen Exporterlöse aus Erdöl, Erdgas, Holz und vielen anderen Rohstoffen leisten sich wenige Privilegierte in der Hauptstadt Moskau einen enormen, schon fast perversen Luxus. Der Euro hat einen derzeitigen Gegenwert von etwa 40 russischen Rubeln. Durch Erdöl- und Erdgasförderung unter russischem Management entstehen furchtbarste Schäden an der Umwelt. Kaum jemand in Russland interessiert sich für die unermeßlichen Umweltschäden, die wohl auch globale Folgen haben werden. Russland ist nur noch dort sauber, wo keine oder nur wenige Russen leben bzw. arbeiten. Auch das russische Alltagsmanagement ist gewöhnungsbedürftig. Es fehlt am Denken in nahezu allen Ebenen der Gesellschaft. Für Touristen ist Russland nicht wirklich attraktiv. Das Visaverfahren, die zeitaufwendigen An- und Abmeldeprozeduren bei den Behörden als auch die bescheidene Infrastruktur Russlands an sich, sind wohl nichts für Pauschaltouristen. Die wenigen Ausländer, die nach Russland reisen, sind Individualisten, die wohl wissen, worauf sie sich einlassen, wissen was sie dort erwartet und richten sich darauf ein. Die vielen russischen Familien, die wir kennenlernen durften, waren wunderbar gastfreundlich, aber in der Regel auch immer bitter arm.
Das Leben in Russland ist sehr hart, manchmal auch lustig. Sich auf den Straßen zu bewegen ist immer gefährlich. Einfachste Verkehrsregeln werden ignoriert. Die nachfolgenden Links zu YouTube zeigen, daß in Russland doch vieles anders ist. Viele der gezeigten Episoden habe ich in ähnlicher Weise selbst erlebt.
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Russland ist aber schon wieder ein ganz anderes Kapitel, bleiben wir zunächst in Weißrussland.
Zurück nach Weißrussland. Da die Republik Belarus 2007 noch kein CEPT-Land war und auch heute noch nicht ist, mußte ich bei der zuständigen Fernmeldebehörde in Minsk eine Gastlizenz für den Amateurfunkbetrieb beantragen. Die überwiegenden Landeskenner für Weißrussland sind EU, EW und EV. Seitens der weißrussischen Behörden wird abgeprüft, ob der Antragsteller der Gastlizenz Morse- kenntnisse mit Tempo 60 (= 12 WPM) nachgewiesen hat. Nach etwa drei Monaten wurde mir freundlicherweise mein Gast-Rufzeichen für den Betrieb auf allen Amateurfunkbändern ohne Limit per Briefpost zugeteilt. Zusammen mit meinem Gast-Rufzeichen erhielt ich alle erforderlichen Zoll-Papiere für das FuG und die dazugehörige Ausrüstung. Damit waren alle möglichen Probleme an der Staats-Grenze schon im Vorfeld entschärft. Diese EU-Außengrenze hat natürlich ganz andere Dimensionen als uns bekannte innereuropäische Grenzen. An der Nahtstelle zwischen Polen und der Republik Belarus hört unsere Welt auf und eine ganz andere ehemals sowjetrussische Welt beginnt. Den Gedanken, hier einen schweren Unfall zu haben oder lebensgefährlich zu erkranken, muß man wohl einfach verdrängen.
Die Behörden in Belarus waren in der Regel sehr kooperativ, wofür ich mich bedanken möchte. Wenn man in die Republik Belarus einreist, muß man sich innerhalb von 3 Arbeitstagen bei der zuständigen Behörde OWIR anmelden. Diese Behörde zu finden, ist nicht immer leicht und die Anmeldung gelingt in der Regel auch erst am dritten Tag. In den vielen Behörden gibt es sog. Arbeitsregime, welche man nicht so einfach mit Öffnungszeiten übersetzen kann. Mit Geduld erhält man letzten Endes für weniger als 50.000 BY-Rubel einen unscheinbaren Zettel ohne Format aber mit vielen sehr schönen Stempeln, einen sogenannten Spravkan, welchen man sorgfältig bewahren und bei der Ausreise unbedingt vorzeigen und zurückgeben muß. Nach der erfolgten Anmeldung hatten wir mit den Behörden in der Regel nichts mehr zu tun. Weißrussland ist noch kein touristisch erschlossenes Land. Die Chance, in Weißrussland einen zweiten nicht russisch sprechenden westeuropäischen Ausländer zu treffen, liegt wohl weit über 1 : 100.000.
Die Miliz von Malorita und Brest war freundlicherweise recht oft präsent, sehr höflich und korrekt. Es gab keinerlei bemerkte Überwachungen. Sie vermittelten jederzeit ein gutes Gefühl von Sicherheit. Tarnungen der Funkstelle waren zu keinem Zeitpunkt zwingend erforderlich, aber in den Wäldern oder in den freien Wiesen durchaus nicht von Nachteil, denn nicht jeder kann mit dem Begriff Amateurfunk etwas anfangen. Man ist noch immer mißtrauisch, wenn ein Deutscher in Weißrussland ein Funkgerät benutzt. Die Generation nach 1990 sieht das weit lockerer. Mein Portabel-QTH lag am Rande der Stadt Malorita im äußersten Südwesten Weißrusslands. Die Ausrüstung bestand aus einem Yaesu-Transceiver FT-897D mit Antennenanpaßgerät FC-30, einem selbstgebauten Roll-Draht-Dipol, einem 12 m GUP-Portabelmast, einer Rolle festen Bindfadens und dem Bordnetz unseres PKW mit einem 60 Ah-Blei-Akku. Die Antenne wurde in hohen Bäumen verankert. Gesendet wurde aus dem Auto, meistens sogar bei laufendem Motor. So konnte ich die Klimaanlage nutzen und die Kfz-Batterie wurde regelmäßig gepuffert. Bei Temperaturen von mehr als +38°C war es tagsüber nur mit der Klimaanlage auszuhalten. Die günstigen Brennstoffpreise ab 0,40 Euro/Liter machten dies leicht möglich. Gegen die erhebliche Übermacht von Mücken, Schnaken, Bremsen und Zecken haben mir vor Ort in Malorita gekaufte Rauchsticks, sowie ein herb riechendes Insektenspray gute Dienste geleistet. Der sehr hohe Grundwasserstand am See hatte auf die Abstrahlungsbedingungen der Kurzwelle eine hervorragende Wirkung. Von meinem Lieblingsstandort, direkt an einem kleinen See habe ich sehr schöne Verbindungen auf 80 m mit SP, OK, RA, OZ, SM und OH, auf 40 m mit DL, CH, OE, PA und auf 20 m mit VE3 und W1 gefahren. Der Roll-Draht-Dipol bewährte sich hervorragend. Unter solchen speziellen Bedingungen dauern die QSO’s in der Regel etwas länger und gingen über das übliche 599 weit hinaus. So mag ich Amateurfunk, am liebsten CW, QRP und mit einfachster Ausrüstung. Nicht die Quantität der QSO’s zählt, sondern deren Qualität.
 Übersichtskarte der Republik Belarus Click picture to enlarge.
Meine Eindrücke in Form einiger Bilder mit Kommentar
 Der Bahnhof von Malorita. Die Eisenbahnstrecke führt von Brest in die Ukraine. In Weißrussland als auch in der Ukraine wird Breitspur mit 1.520 mm verwendet. Malorita ist mit etwa 12.000 Einwohnern ist überwiegend ländlich geprägt.
 Das Krankenhaus der Stadt Malorita. Das Gebäude wurde in den 70er Jahren zu Sowjetzeiten errichtet. Wir haben dieses Krankenhaus mehrfach besucht. Die heutige medizinische Ausstattung entspricht weitestgehend noch dieser Zeit. Die Ärzte sind in der Regel gut ausgebildet.
 Sanierte Wohnhäuser im Stadtzentrum von Malorita.
 Das Blumenlädchen mit guter Auswahl an Natur- und Kunstblumen.
 Neue Eigenheime am Stadtrand, in der Regel in Eigenleistung erbaut. Man experimentiert heute gern mit kräftigen Farben.
 Es gibt sehr günstige staatliche Kredite für den Eigenheimbau. Hat eine Familie mehr als 3 Kinder, werden ein Teil der Kredite großzügig vom Staat getilgt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt in Weißrussland bei nur 34 Jahren ! Viele Männer in Weißrussland werden aber infolge ihrer innigen Zuneigung zum Wodka auch nicht sonderlich alt.
 Derartig sauber aufgebaute Zäune sind in Weißrussland zwar noch sehr selten zu finden, aber auch hierbei befindet sich Weißrussland im Umbruch.
 Das Eisenbahnmuseum von Brest. Ein Leckerbissen für Eisenbahn-Liebhaber. Sehr empfehlenswert.
 Im Eisenbahnmuseum von Brest. Die Fahrzeuge darf man auf Wunsch auch von innen besichtigen. Der Museumsführer hat auf alle Fragen eine fundierte Antwort.
 Über dem Eingang steht der Schriftzug TRAKTIR, das war in vor-sowjetischen Zeiten das Wort für eine rustikale Kneipe. Dieser Kneipe wurde in den 90er Jahren völlig neu gebaut und liegt etwa zwischen Brest und Malorita.
 Eines der typischen alten Holzhäuser in der Gegend um Malorita. Die Wohnfläche des Hauses ist kleiner als 50 qm und es leben oftmals drei Generationen unter einem Dach.
 Hier wurde Feuerholz für den nächsten Winter vorbereitet. Die Uhren gehen hier ganz langsam.
 Ein beliebtes Verkehrsmittel in den Dörfern. Ein Führerschein ist nicht zwingend erforderlich und eine Promillegrenze für den Kutscher gibt es auch nicht. Für das Pferd gilt allerdings die 0,00 Promillegrenze, hi.
 Vorbereitung zur Jagd. In Deutschland würde man so etwas sicher als Wilderei bezeichnen. Hier im unmittelbaren Grenzgebiet zur Ukraine sieht man das wohl etwas lockerer. Die Munition ist Marke Eigenbau, manchmal nicht ganz ungefährlich.
 Lagerfeuer mitten im Wald nach erfolgreicher Jagd. Kein Wild aber viel Wodka. Die ausgegebene Waldbrandwarnstufe III interessiert hier leider wirklich niemanden. Dieses Waldstück gehörte wohl bereits zu Ukraine. Hier gab es weder Grenzsteine, Zoll noch Grenzpolizei. Die Natur ist leider nicht mehr unberührt sondern extrem vermüllt.
 Nikolai Alexejewitsch - ein langjährig sehr guter Bekannter. Bis zum Jahr 1992 war er als hochrangiger sowjetischer Nachrichtenoffizier in Nohra / Thüringen stationiert. Heute lebt er mit seiner Familie als Pensionär in Malorita, Weißrussland. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Angler, hervorragender Schachpartner sondern auch ein äußerst intelligenter Gesprächspartner.
 Eines der typischen alten Holzhäuser in der Gegend um Malorita. Für die Selbstversorgung gibt es auf dem Grundstück auch einen Stall für eine Kuh und viele andere Nutztiere.
 Ein sowjetischer Wohnblock aus den 80er Jahren. Die Fenster sind i.d.R. fest verglast, es gibt aber einen kleinen Lüftungsflügel, hier in den Fenstern oben links.
 Die Architektur sowjetischer Plattenbauten aus den 70er Jahren. Die Qualität der Bauausführung ist aus meiner Sicht katastrophal, die Wohnungen sind aber zum Teil recht geschmackvoll eingerichtet. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich habe die gesamte Palette kennengelernt. Wer meine Lichtbildervorträge gesehen hat, weiß, worüber ich hier schreibe.
 Der Bus nach Brest, der nächstgelegenen Großstadt. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert zuverlässig, jedoch auf dem Niveau der 70er Jahre.
 Eine untergeordnete Straße am Stadtrand von Malorita. Die Straße ist über 12 m breit und besteht nur aus abgewalztem Sand. Bei trockener Witterung zieht jedes Fahrzeug eine riesige Staubwolke hinter sich her.
 Diese breite Piste sieht relativ glatt aus. Das Fahrgefühl ist jedoch sehr unangenehm. Es gibt unendlich viele kleinste Querrinnen, als wären Kettenfahrzeuge der Regelverkehr. Überholende weißrussische Fahrzeuge fuhren immer strafffff. Autoersatzteile sind hier offensichtlich preiswerter als in Deutschland.
 Die Wasser-Kanäle wurden in den 70er und 80er Jahren zum Zweck der Sumpftrockenlegung angelegt. Der Grundwasserstand liegt hier bei ca. 60 cm unter Terrain. Der hohe Grundwasserstand bewirkt im freien Gelände eine sehr gute Abstrahlung für Funkverbindungen auf Kurzwelle.
 Diese Garagen sind in Weißrussland weit mehr als nur eine Unterstellmöglichkeit für das Auto. Die Garagen sind in der Regel unterkellert und besitzen auch einen Schornstein. Die Garagen sind gleichzeitig auch Kartoffellager, Werkstatt etc. und bildet Ersatz für den fehlenden Keller im Wohnhaus. Auch eine nicht ganz legale Schnapsbrennerei durfte ich hier besichtigen.
 Dieses Gerüst ist sicher nicht ganz ungefährlich. Arbeitsunfälle nimmt man hier offenbar nicht ganz so tragisch.
 In den Naherholungsgebieten um Malorita wird leider auch aller Müll direkt an und in die Seen entsorgt. Leider sind auch die umliegenden Wälder keine unberührte Natur mehr sondern sind großflächig vermüllt. Unter den hier Wohnenden stört das wohl niemanden. Eine geordnete Müllverwertung steckt leider noch in den Kinderschuhen.
 Ein reifenunfreundlicher Kanaldeckel-Einbau nach altem sowjetischem Standard. Übrigens, der kleine blauweisse Kiosk ist einer von Dutzenden privaten Kleinst-Verkaufsstellen für Lebensmittel und Kleinbedarf in der Stadt Malorita. Hier kann man von Montag bis Sonntag von 09:00 Uhr bis 23:00 Uhr einkaufen. Am Fahrzeug noch ein altes weißrussisches Kfz-Kennzeichen aus den 1990er Jahren.
 Eine der Hauptstraßen von Malorita.
 Zaunkunst in Beton, Import aus dem benachbarten Polen
 Vorräte für den langen kalten Winter.
 Die Nebenstraßen sind weitgehend unbefestigt, lassen sich bei trockenem Wetter aber gut befahren.
 Gartenzwerg-Idylle, das ist eher die Ausnahme. So etwas findet man nicht so oft.
 Wohnhaus aus den 90er Jahren.
 Die Försterei der Region.
 Ein Buswartehaus, einmal etwas anders gestaltet.
 Ein unbedeutender Bahnübergang, wäre da nicht diese wunderschöne Blumen- und Orchideen-Pracht in dieser kleinen Station.
 Ein Heizkraftwerk aus sowjetischen Zeiten. Diese primitive Technik ist aber durchaus sehenswert.
 Ein fast geniales geländegängiges Fahrzeug neuer russischer Produktion aus dem Hause UAZ in Uljanowsk/Russland. Die Verläßlichkeit im Alltag hat leider Grenzen. Die Reparaturen sind dafür in fast allen russischen Feldschmieden ohne Spezialwerkzeug sowie ohne Spezialkenntnisse möglich. Das Fahrzeug-Kennzeichen ist aktueller Stand in Weißrussland.
 Einer der Kindergärten der Stadt Malorita. Für das Wohl und die Erziehung der Kinder wird in Weißrussland sehr viel getan.
 Das Land ist sehr dünn besiedelt. Die Landwirtschaft wird überwiegend extensiv betrieben.
 Die Bahnstrecke von Brest in Richtung Ukraine. In Weißrussland als auch in der Ukraine werden Bahnfahrwege mit Breitspur von 1.520 mm verwendet. Diese sechsachsige Diesellok für schweren Güterverkehr wurde im Lokomotivwerk Lugansk (Ukraine) gebaut. Diese Lokomotiven sind sehr zuverlässig, verlieren aber sehr viel Öl auf dem Fahrweg.
 Der Wasserturm von Malorita..
 Märchenhaft im Sommer, hart in den Wintermonaten. An Streß stirbt hier sicher niemand.
 Die neuen Straßen werden verschwenderisch breit angelegt. Das derzeitige Verkehrsaufkommen hält sich jedoch in engen Grenzen. Auf dieser Straße hatte ich niemals Gegenverkehr.
 Ein Teil des Fuhrparks der Stadtwerke von Malorita. Der Turm im Hintergrund ist eine Feuerwacheinrichtung. Die umfangreichen Kiefernwälder sind im Sommer extrem brandgefährdet. Die Scherben unzähliger zerschlagener Wodkaflaschen in den Wäldern entzünden immer wieder die ausgetrockneten Kiefernwälder. Der Stab links vom Feuerwachturm ist ein Blitzfänger zum Schutz einer Betriebstankstelle.
 Viele Familien in Weißrussland betreiben Landwirtschaft im Nebenerwerb. Die Einkünfte der Menschen sind niedrig und die Preise für Industriegüter sind fast so hoch wie in Deutschland. Sehr preiswert sind hingegen Elektroenergie, Telefon, Benzin, Diesel, Gas, Mieten, Trinkwasser Abwasserentsorgung, Müllentsorgung, Mehrwertsteuer, Krankenversicherungen, Kfz-Versicherungen sowie Steuern aller Art. Von vielen deutschen Versicherungen, Gebühren, Steuern und Abgaben hat man in Weißrussland noch nie etwas gehört. Ein Nettoeinkommen in Belarus von umgerechnet 300 Euro entspricht somit etwa einem deutschen Nettoeinkommen von 600 Euro. Dafür gibt es hier aber auch noch nicht den Standard einer geregelten Infrastruktur.
 In den Sumpflandschaften südlich von Brest gibt es ungeheuer viele Mücken sowie andere stechende und beißende Insekten. Davon leben wiederum viele Frösche und Schlangen. Von diesen Kriechtieren ernähren sich zahlreiche Störche. Die Nahrungskette ist geschlossen.
 Die Stromversorgung der Städte und Dörfer stand in der ehemaligen Sowjetunion ganz oben auf der Prioritätsliste. Die Sicherheit der Anlagen entspricht jedoch nicht immer dem Stand der heutigen Technik. Die Regelinstallationen entsprechen dem technischen Niveau der 80 Jahre in der Sowjetunion bzw. der 50er Jahre in Deutschland. Klassische Nullung, moderne Nullung oder gar FI ist hier noch nicht Stand der Technik. Störungen im Niederspannungsnetz sind in der Republik Belarus dennoch viel seltener als in der benachbarten Russischen Föderation (RF).
 Einer meiner Funkstandorte. Click picture to enlarge. Von diesem Standort habe ich u.a. die abendlichen Verbindungen mit DL gefahren. Die Abspannung für den Dipol wurden in den Baumkronen befestigt. Die Einspeisung des Roll-Draht-Dipoles erfolgte in 12,5 m Höhe an einem GUP-Mast. Hier im Bild ist der Roll-Draht-Dipol für das 40 m Band gespannt. Die Stromversorgung erfolgte aus dem PKW-Bordnetz oftmals bei laufendem Motor. So konnte ich auch die Klimaanlage permanent nutzen und der PKW-Akku wurde nicht all zu sehr entladen. Wenn die Ausbreitungsbedingungen es ermöglichten, habe ich gern mit < 20 Watt gearbeitet. Das ging hervorragend von der Atlantikküste bis zum Ural / Westsibirien.
 Ein weiterer sehr schöner Funkstandort, eigentlich mein Lieblingsstandort, unmittelbar an einem kleinen unvermüllten See gelegen. Sehr idyllisch.
Meine wichtigsten Erfahrungen vor Ort waren:
Die Menschen sind hilfsbereit und nett, aber noch etwas mißtrauisch. Wir waren wohl eine der ersten Deutschen, die nach Ende des W2K hier in dieser Region Quartier machten. Hier war während des Kalten Krieges lange Zeit Sperrgebiet für Westeuropäer. Nur wenige Kilometer nördlich der Kleinstadt Malorita standen bis in die frühen 1990er Jahre nukleare Mittelstrecken-Raketen mit Ziel Westeuropa. Ich hatte Gelegenheit, diesen ehemaligen militärischen Standort fachkundig geführt, besichtigen zu dürfen. Zum Glück hat die Geschichte einen anderen Verlauf genommen.
Weißrussland ist noch kein klassisches Touristenland. Die Region südlich von Brest ist von den Hauptmagistralen weit abgelegen. Ein paar Sätze in weissrussisch sind hier nicht von Nachteil. Die Deutschen sind nicht sonderlich beliebt, aber man achtet sie. Wenn mich meine Frau liebt und der Rest der Welt mich nur achtet, ist das völlig ausreichend.
Russisch ist noch immer zweite Amtssprache. Zahlreiche Ex-Sowjet-Russen leben heute noch immer in der Republik Belarus. Die Sprache an Schulen, Universitäten und Behörden ist weißrussisch.
Auf technische Hilfe von weißrussischer oder russischer Seite kann und darf man nicht immer vertrauen. Bei aller Hilfsbereitschaft geraten die Helfer sehr schnell an die Grenze ihrer eigenen Möglichkeiten.
Selbst kleinstes und unbedeutendstes technisches Ausrüstungszubehör, Hilfsmittel und gute Werkzeuge sollte man generell aus Deutschland mitbringen. Vor Ort konnte man selbst im Jahr 2007 noch nichts in vergleichbarer Qualität zukaufen.
Man muß bei der Planung in Deutschland schon sehr weit ins Detail gehen, um Überraschungen an möglicherweise vergessenen Ausrüstungsteilen in engen Grenzen zu halten. Man darf nichts, auch keine Kleinigkeiten, vergessen.
Nach dem Rückbau der Funkstelle am späten Abend darf man nie etwas im Feld zurücklassen, was man am nächsten Tag noch brauchen könnte. Am nächsten Tag ist alles verschwunden, selbst Reste von einfachem Bindfaden !
Auch wenn man den ganzen Tag keinen Menschen sieht, ist man wohl ständig irgendwie unter Beobachtung. Anders als in Westeuropa sind hier sehr viele Menschen den ganzen Tag in den Wäldern unterwegs. Sie sammeln Pilze, Kräuter, Brennholz, Beeren etc. und stellen in der Regel aber keine ersthafte Gefahr dar. Ein Mindestmaß an Tarnung ist dennoch nicht von Nachteil. Selbst offizielle Stellen wie die Miliz, die Polizei, der Zoll etc. wissen mit dem Begriff Amateurfunk nicht immer etwas anzufangen. Reisepaß, OWIR-Anmeldung, Gastlizenz, eine Dose Pfefferspray, einen Satz Kabelbinder > 50 cm und eine Flasche Äthanol 98 % für “medizinische Zwecke” hatte ich zur eigenen Sicherheit immer dabei.
Der Tank unseres Fahrzeuges sollte immer mindestens zu 80 % gefüllt sein. Zusatzkanister kann man vor Ort anmieten. Da die Brennstoffe manchmal verschmutzt sind, sollte man einen passenden Benzin-Trichter mit einem Feinfilter unbedingt dabei haben. Derartige Filter kann man im östlichen Teil Polen’s an manchen Tankstellen erwerben.
Bleifreies Benzin war 2007 noch schwer zu bekommen. Die nächste Tankstelle für bleifreies Benzin 95 befand sich etwa 52 km entfernt in der Stadt Brest. Verbleites Normalbenzin (VK79) oder Diesel kann man jedoch vor Ort auch in kleinen Ortschaften überall preisgünstig zukaufen. Die Brennstoffpreise lagen umgerechnet bei etwa 0,40 bis 0,70 Euro pro Liter.
Brot, Butter, Wurst, Fisch, Käse, Milch, Obst, Gemüse, Mineralwasser, Eier, Tiefkühlfeinkost etc. kann man heute unbedenklich vor Ort kaufen. Auch hochqualitative Fertigprodukte gibt es mittlerweile in vielen Läden. Beim Kauf von Frischfleisch sollte man in den Sommermonaten aus hygienischen Gründen schon etwas genauer hinschauen.
Feld- Wiesen- und Waldpilze waren nach unseren eigenen Strahlungsmessungen mit unserem GammaScout in der Region südlich von Brest unbedenklich.
Radioaktivität !
Dieses etwas schiefe Schild ist eine Warnung vor Radioaktivität aus der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, das Sammeln von Pilzen und Beeren ist zwar erlaubt, diese sollten jedoch vor dem Verzehr unbedingt auf Radioaktivität untersucht werden. Aber wer macht das schon. Im Großraum um die Stadt Homel im Süd-Osten des Landes meldete unser GammaScout immer wieder unzulässige Belastungen der gesamten Palette von Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Alpha- und Beta-Strahler haben zwar eine nur geringe Eindringtiefe, sind aber umso bösartiger, wenn sie über die Nahrung (Pilze, Beeren, Gemüse) in den Körper gelangen. Diese flächendeckende Verstrahlung kann man nie wieder rückgängig machen und sollte eine ernste Warnung sein. Wir waren nur wenige Stunden hier und wußten uns zu schützen. Die hier lebenden Kinder sind dieser Strahlung jahrelang ohne Schutz ausgesetzt.
Die Waren-Auswahl der Verkaufsstellen in den kleineren Städten Weißrusslands kann man so etwa mit dem Angebot der Kaufhallen in der DDR vor 1989 vergleichen. Supermärkte findet man seit 2007 in allen größeren Städten. Die Märkte führen ein Angebot nach europäischem Standard mit Marken-Garantie und ein großzügiges Angebot einheimischer Produkte. Die Preise sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Die Einkommen der Weißrussen liegen jedoch liegen im Durchschnitt bei weniger als 500 Euro pro Monat. Der Durchschnitt darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, da ein Großteil der Menschen mit weniger als 100 Euro pro Monat auskommen müssen. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, daß die Republik Belarus für die Menschen ein sehr soziales Land ist.
Auf keinen Fall sollte man Weine oder Spirituosen aus kleinen privaten Ladengeschäften mit zweifelhafter Herkunft trinken. Allein aus den Etiketten kann man keinerlei Rückschlüsse auf die wirklichen Erzeuger oder die Qualität dieser Produkte ziehen. In den russisch dominierten Teilen der ehemaligen Sowjetunion kennt man weder eine Weinkultur noch eine Käsekultur. Die hier verkauften Weine sind oftmals gepanscht und nicht sonderlich empfehlenswert. Wodka (>40°) ist hier daaaaaas Getränk für alle Gelegenheiten. Obwohl Wodka sehr billig ist, wird dennoch schwarzgebrannt. (Dieser Selbstgebrannte heißt Samagon). Kulinarische Spezialitäten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammen vorwiegend aus dem Kaukasus, aus dem Baltikum oder anderen älteren Kulturen der Föderation. Wenn wir gut essen wollte, sind wir immer zum Usbeken gegangen. Die Küche Russlands kann da nicht mithalten. Beim Kauf von mehr als drei Flaschen gepanschten sowjet-russischen Landweines (Samagon) gibt es in der Regel einen Blindenhund gratis dazu, hi. Vom Genuß alkoholischer Getränke, welcher Art auch immer, würde ich in den Republiken der früheren Sowjetunion aus Gründen der eigenen Sicherheit generell abraten. Einen klaren Kopf über 24 Stunden täglich zu haben, hat hier sehr viele Vorteile.
Die positiven Eindrücke unserer bisherigen Reisen in die Republik Belarus überwiegen und haben einen sehr angenehmen Eindruck hinterlassen. Die Schönheit dieses Landes liegt in seiner Einfachheit. Diese Lebensweise erfahren zu dürfen, war wunderbar. Wir werden dieses Land sicher bald wieder bereisen.
Republik Belarus / Weißrussland - eine kleine Nachlese:
Ein Visum für ca. 50 Euro / Ps. ist erforderlich, Bearbeitungszeit > 3 Wochen ! Eine Anmeldung ist innerhalb von 3 Tagen nach Einreise zwingend vorgeschrieben. Ein AFU-Gastrufzeichen erhält man auf Antrag, Bearbeitungszeit >> 6 Monate. Bei Einreise mit dem PKW muß man mit Wartezeiten < 8 Std. an der Grenze rechnen. Landeswährung sind weißrussische Rubel BYR. er wurde im Juni 2011 um etwa 90 % abgewertet. Am 20. September 2011 erfolgte eine weitere Abwertung um etwa 80 % Ein (1) Euro entspricht jetzt ca. 10.000 weißrussischen Rubeln BYR. Die elektrische Spannung beträgt 220 V AC / 50 Hz, Euro-Flachstecker passen in nahezu jede weißrussische Steckdose. Wasser aus dem Leitungsnetz hat nur sehr selten Trinkwasserqualität. In ländlichen Regionen sind Hauswasseranschlüsse noch nicht überall verfügbar. Mineralwasser in Flaschen ist jedoch sehr preisgünstig und von guter Qualität.
Etwa 70 % der Weißrussen leben in Städten, das Land ist sehr dünn besiedelt, große Teile des Landes sind wenig erschlossen und nahezu unberührt. So hat sich eine artenreiche Tierwelt erhalten. Neben Wildschweinen, Hirschen, Rehen und anderen europaweit bekannten Tierarten leben hier auch noch Wölfe, Braunbären und Luchse. In den Sumpfgebieten sind auch Biber und zahlreiche Schlangenarten anzutreffen.
Das Fernstraßennetz ist gut ausgebaut, untergeordnete Straßen sind oft unbefestigt. Das Eisenbahnnetz funktioniert tadellos und ist sehr preisgünstig. BY ist von D um eine Zeitzone versetzt, MEZ+1. Sommerzeit gibt es ebenfalls zu gleichen Umstellungszeitpunkten. Für Trecking-Reisende ist die Republik Belarus empfehlenswert, man kennt keine Abzocke, es gibt noch viel unberührte Natur und eine Menge an Ursprünglichkeit. Fremdsprachenkenntnisse sind selbst bei jungen Leuten eher die Ausnahme. Russischkenntnisse, besser Weißrussischkenntnisse sind unbedingt erforderlich. Das Land ist sehr Amateurfunkfreundlich ! Das Land ist für Reisende recht sicher. Der öPNv als auch Verbindungen per Fern-Bahn sind preiswert und sehr zuverlässig. Auch Reisen mit dem eigenen PKW / Wohnmobil sind ohne Probleme möglich. Freie Werkstätten und Ersatzteile gibt es mittlerweile für nahezu alle westeuropäischen Fahrzeug-Typen.
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